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- L E S E P R O B E -
Als
dem Friesen Kanulgar das
Messer aus dem Gurt rutschte und beim Fallen gegen einen Stein schlug,
war der
derbe Klang der Klinge alles, was die Nacht an Lauten übrig hatte. Der
kalte
Nieselregen war nicht angetan, die Schatten der Dunkelheit zum Tanzen
zu
bewegen.
Aber Kanulgar erschrak, denn dieses Geräusch
hätte
sie wecken können. Verstohlen sah er sich nach dem Anführer um. Und in
dessen
Gesicht konnte er die Verärgerung ablesen. Dann war sein Blick wieder
allein
auf das Ziel gerichtet, auf den Wachposten, der scheinbar ebenso
sorglos
schlief, wie der Ritter und seine Soldaten.
Kanulgar lag jetzt ganz flach auf dem Moos
und
lauschte. Für eine Weile war die Welt angehalten und nichts geschah.
Doch dann
ergriff er das Messer und glitt weiter über den von der Feuchtigkeit
durchtränkten
Waldboden. Nur das Ziel vor Augen sah er auch die Steinpilze nicht, die
er
sonst nie stehen lassen würde.
Dann zögerte er plötzlich und hielt für einen
Augenblick die Luft an, als wollte er sich selbst hinterfragen, ob er
bereit
dazu wäre. Aber er war sich seiner Sache sicher. Mit schnellem Griff
fasste er
den Kopf der schlafenden Wache und schnitt das scharfe Messer über den
Hals
seines Opfers. Das austretende Blut sah er nicht, denn seine Augen
waren auf
das Feuer gerichtet, an dem der Ritter mit seinen Soldaten schlief.
Aber all
seine Befürchtungen verschwanden, als er den dumpfen Ruf des Waldkauzes
hörte.
Die anderen hatten die Pferde losgebunden, der Raub war gelungen.
Vorsichtig erhob er sich, und zog sich
rücklings in
die Dunkelheit zurück, wo schon die Gefährten auf ihn warteten.
Der Friese erkannte sofort, dass das Zaumzeug
eines
der Pferde auf einen edlen Reiter schließen ließ, und auch mit dem
Inhalt der
Satteltaschen waren sie allesamt zufrieden: Münzen, Schinken, Wein.
Mit behutsamer Eile führten sie dann die
zwölf
Pferde auf dem gleichen Pfad zurück, den sie vorher genommen hatten, um
sich
dem Feuer zu nähern. Und in zufriedener Stimmung ließen sie sich den
Wein über
ihre Lippen laufen.
Mit der Schwere,
die einen Verschütteten an
das
Erdreich fesselt, erwachte Lothar. Seine Augen starrten zuerst auf die
Baumgipfel, die von hellem Tageslicht umgeben waren. Dann vernahm er
das Klagen
seines Knappen Conradus, und augenblicklich sprang er auf die Füße,
das
Schwert aus der Scheide gerissen.
»Er ist tot ... einfach tot. Und die Pferde
sind
allesamt weg.«
Lothar starrte fassungslos auf den Leichnam
und
seine Hand verkrampfte sich um den Schwertgriff, als wollte er sie zum
Schlage
ausholen. Er konnte nicht glauben, dass dieses einfach so geschehen
war. Seit
Tagen hatten sie keine Menschenseele erblickt, und dann das hier.
»Bring die anderen auf die Füße«, sagte er zu
Conradus, der neben dem Leichnam kniete. Dann ging er festen Schrittes
den Weg,
den wohl die Räuber gekommen und gegangen waren. Aber nach einer Weile
hielt er
inne und fragte sich nach dem Sinn. Wenn die die Pferde genommen haben,
dann
sehen wir die im Leben nicht wieder, dachte er. Und als Conradus mit
vier
Soldaten neben ihm erschien, winkte er ab.
»Das macht keinen Sinn, die sind weg.«
Und weil sein Schwertträger ihn
unverständlich
ansah, fügte er hinzu: »Bring mir mein Pferd!«
»Aber dein Pferd ging diesen Weg«, erwiderte
Conradus und zeigte in die Richtung.
»Und wo ist der unsere?«
Conradus war Thüringer und mit so viel
Lebenserfahrung
ausgestattet, dass Lothar ihn für unentbehrlich hielt. Und obwohl es
für manch
einen Soldaten eine Ehre war, einem Ritter zu dienen, so war es für
Conradus
die Erfüllung seiner selbst. Daher wollte er in allem der Beste sein.
Im
Zweikampf ebenso wie als Pfadfinder. Aber dieses Missgeschick in der
Nacht nahm
er auch auf seine Kappe, denn zu sorglos sprach der Ritter dem Wein zu,
und zu
sorglos war auch er selbst, sonnst hätte er die Wache übernommen.
»Die Sonne im Osten, den rechten Weg im
Norden. Dort
also«, entgegnete er.
»Dann werden wir wohl das Ziel zu Fuß
aufsuchen
müssen.«
»Hoffentlich nur bis zum nächsten Dorf.«
»Aber ihn können wir so nicht liegen lassen.«
Lothar sah Conradus an, der ihm den
Waffengurt
reichte, sodass der Ritter sein Schwert zurücksteckte, und sich den
Gurt über
den Kettenrock legte.
»Hier in der feuchten Erde werden wir ihn
aber auch
nicht zurücklassen, hier bei den Heidengeistern.«
Sofort bekreuzigten sich alle Umstehenden.
»Ihr vier dort werdet ihn auf euren Schilden
mit uns
führen. Gebe der Heiland uns die Gunst, bald auf die Küste oder
wenigstens auf
ein Dorf zu stoßen.«
»Viel Proviant ist uns nicht geblieben, fast
alles
ist mit den Pferden verschwunden«, sagte Karlmann, ein Soldat aus der
Eskorte
des Herzogs, die Lothar sichern sollte.
»So ist es eben. Beklagen werden wir uns erst
am
nächsten Abendfeuer.«
Gegen die Worte des Ritters hatte niemand
einen
Einwand, und so hoben sie den Toten auf die Schilde und begannen in die
Richtung zu gehen, die Conradus ihnen vorgab.
Der Morgen war bereits in den Tag
übergegangen, und
die Luft wurde kühler. Auch ein Indiz dafür, dass sie der Küste näher
kamen.
Vielleicht würden sie schon bald den ersten Frost kriegen, denn der
Sommer des
Jahres 918 lag nun schon hinter ihnen.
Bisweilen wateten die Männer in ihren
Lederstiefeln
knöchelhoch im aufgeweichten Waldboden. Und nach einer Weile
wechselten die
Träger des Toten, während die anderen die Lanzen derer, die mit dem
Tragen an
der Reihe waren, auf den Schultern trugen. Der sonst gesprächige
Conradus war
nahezu verstummt. Nur hin und wieder gab er die Richtung vor. Er
grübelte
ständig über den Umstand nach, der sie hierher geführt hatte, denn
Lothar
handelte im Auftrag des Sachsenherzogs. Worin dieser allerdings
bestand,
darüber ließ ihn sein Herr im Unklaren. Sie sollten einen Mann finden,
nur das
wusste er. Aber ohne Pferde erschien ihm die Sache doch recht
zweifelhaft, und
als die Männer den Küstenwald verließen, sahen sie schon redlich
geschafft aus.
Doch der Anblick der Hütten, am Ende der Bucht, machten ihnen wieder
Mut.
»Hoffentlich gibt man uns dort etwas für
deinen
guten Namen«, sagte Conradus, womit er Lothar von Quedlinburg meinte.
Da er
zehn Jahre älter war als der Ritter, und schon unter dessen Vater
gedient
hatte, war ihm der vertrauliche Umgang erlaubt.
»Wenn es deine einzige Sorge ist, kann ich
dich
beruhigen, Conradus. Von den Münzen sind mir diese drei geblieben.«
Der Ritter holte drei Silberlinge aus dem
ledernen
Beutel und wiegte sie in der Hand.
»Für eine ordentliche Mahlzeit sollte es noch
reichen.«
»Aber Pferde werden wir dafür keine bekommen.«
Jetzt quälte sich Lothar ein Lächeln ab, als
er den
kleineren Conradus auf die Schulter fasste.
»Ich habe ein Schriftstück des Herzogs, dass
mir
jedermann Hilfe zu unterbringen hat.«
»Und wo ist dieses?«
»In meiner Satteltasche.«
»Ha ...«
Conradus erstarb das Lachen auf den Lippen.
»Wir sind immer noch zwölf bewaffnete Männer.
Wir
können uns nehmen, was wir brauchen«, sagte Lothar.
»Wir sollen -s t e h l e n-?«
»Das wird sich zeigen.«
Und weil auch die übrigen Soldaten den Ritter
mit
einem unverständlichen Blick ansahen, fügte er hinzu: »Jetzt wird sich
zeigen,
welchen Einfluss Heinrich hier bei den Friesen hat.«
Dann hatten sie sich dem Dorf so weit
genähert, dass
sie die Gebäude unterscheiden konnten. Es waren nur zwei Steinhäuser
unter den
geteerten Holzhütten der Fischer. Eines war wohl die Schmiede und das
andere
die kleine Pfarrkirche.
»Wenn uns dort der Pfarrer Joachim begrüßt,
sind wir
im Ort Tenning«, sagte Lothar.
Und die Ahnung des Ritters sollte sich
bewahrheiten.
Noch bevor die Männer das Dorf erreichten, kam ihnen ein Mann in derber
Kutte
entgegen, und stellte sich tatsächlich als Pfarrer Joachim vor. Die
Verwunderung darüber, dass der Ritter und sein Gefolge ohne Pferde
daherkamen,
ließ er sich zunächst nicht anmerken, sondern lud die Männer in sein
Pfarrhaus
zur Mahlzeit.
Und als das Feuer im Kamin knisterte, und
auch die
Männer ihre Waffenkleider abgelegt hatten, goss Joachim den Messwein
in ein
Dutzend Krüge. Mit den Augen eines erfahrenen Beobachters hatte er
längst alle
Gesten des Ritters studiert und war sich nun sicher, dass der einem
edlen
Geschlecht abstammte.
»Nun, Lothar von Quedlinburg«, sagte er,
nachdem die
Krüge gefüllt waren und die Männer den Wein gekostet hatten. »Den Mann, dessen Namen Ihr im Taufbuch
suchtet, werdet Ihr hier nicht vorfinden.«
»Aber Ihr könnt mir doch sicherlich sagen, in
welchem Küstendorf ich ihn suchen muss.«
»Allerdings.«
»-A b e r -?«
»Ihr werdet den Ort nur schwer ohne Pferde
erreichen.«
Lothar wischte sich etwas verlegen mit der
Hand den
Wein vom Mund.
»Dann werden doch die Fischer dieses Ortes so
freundlich sein, einen Ritter des Herzogs mit Pferden auszuhelfen.«
»Das würden sie ohne Zweifel... sie haben nur
keine.«
Lothar runzelte ungläubig die Stirn.
»Der Trockenfisch und die Robbenfälle werden
von
Händlern abgeholt. Sie müssen die Dinge nicht befördern.«
Lothar fluchte innerlich über die Einöde, in
die er
hier geraten war, aber er ließ es sich nicht anmerken.
»Aber der Pfarrer hat bestimmt eine andere
Idee«,
mischte sich Conradus ein.
»Aber gewiss. Ihr könntet mit den Fischern
fahren.«
»Na das ist ein Wort.«
»Aber nicht alle«, musste Joachim den Ritter
bremsen, der sich soeben erhoben hatte, um seinen Waffengurt zu greifen.
»Der Ehrgeiz, den Ihr in Euren Auftrag
steckt,
zwingt mir Bewunderung ab, aber in dem Boot wird nur Platz für vier
Mann sein.
Und außerdem müsst Ihr auf die nächste Flut warten.«
»Wann also?«
»Besser erst im Morgengrauen.«
Lothar sank auf die Holzbank zurück und hielt
dem
Pfarrer seinen Becher wieder hin.
»Dann schenk er uns nochmals ein.«
»Der Messwein ist das Blut des Herrn und
eigentlich
für einen anderen Zweck gedacht.«
»Was soll’s... die Fischer werden schon nicht
merken, dass Ihr den Wein etwas mit Wasser streckt. Das tut doch jeder
Pfarrer,
wenn er nicht ganz auf den Kopf gefallen ist.«
Die Worte Lothars missfielen Joachim
außerordentlich, aber er beließ es bei einem bitteren Lächeln und goss
den Krug
des Ritters nochmals voll. Auch die anderen Männer ließen sich nochmals
nachschenken.
»Es wäre besser, wenn wir die Fischer zuvor
zu
Gesicht bekommen könnten«, sagte Conradus eigentlich zu Lothar, aber
auch so
bestimmt, dass Joachim es als Aufforderung auffasste und sich erhob.
»Im Kessel ist noch Suppe«, erwähnte er dann,
als er
sich den Umhang umlegte, um das Haus zu verlassen. Und weil ihm jetzt
der Regen
ins Gesicht schlug, fügte er hinzu: »Ihr habt einen schlechten Himmel
mitgebracht.«
Das störte die Waffenknechte des Herzogs, die
den
Ritter begleiteten, überhaupt nicht. Gierig machten sie sich über die
heiße
Suppe her, die tatsächlich für alle reichte, da Lothar und Conradus
lieber Käse
und Brot vertilgten. Die meisten hatten es sich jetzt in der flachen,
aber
geräumigen Pfarrstube gemütlich gemacht. Einige hatten sogar die
schweren
Stiefel ausgezogen und trockneten das Leder am Feuer.
»Glaubst du, wir können ihm trauen?«
»Wir haben keine Wahl«, entgegnete Conradus
und
stopfte sich sogleich ein Stück Roggenbrot in den Mund.
»Du konntest zwar die Verfügung des Herzogs
nicht
vorweisen, aber er wäre ein Narr, würde er daran zweifeln«, fügte er
etwas
gequält hinzu, da er mit vollem Mund sprach.
Lothar sagte eine Weile gar nichts, sondern
starrte
vor sich hin, auf das Feuer und die dampfenden Stiefel der Männer.
»Heinrichs Macht wirkt also auch hier, am
Ende des
Reiches«, kam plötzlich über seine Lippen.
»Das Ende oder der Anfang, die Küste kann
beides
sein.«
Lothar wusste um die Wortspielerei des
erfahrenen
Conradus, und er hatte auch schon eine Erwiderung auf der Zunge, aber
das
Knarren der Tür zog die Aufmerksamkeit aller auf sich.
Joachim war zurück, und er brachte einen Mann
mit,
der scheinbar den gesamten Raum zischen Fußboden und Decke einnahm.
Lothar starrte auf die langen, rötlich
schimmernden
Haare, die diesem beinahe bis zum Waffengurt reichten, wo der Ritter
ein
kurzes
Schwert und ein wertvolles Jagdmesser erblickte.
»Einen Fischer habe ich mir aber anders
vorgestellt«, sagte er nur.
»Ich habe nie behauptet, dass ich Fischer
bin.«
»Das ist Assgar von Ostenmoor, ein
Robbenjäger«,
mischte sich Joachim ein, und stellte den Fremden vor. »Ihr könnt mit
ihm
fahren.«
Lothar erhob sich.
»Mit ihm fahren? ...Wohin?«
»Na ... nach Ostenmoor. Das Dorf, in dem Ihr
den
Mann wohl findet werdet.«
Lothars Verstand war sofort bei der Sache.
»Dann seid Ihr der Herr des Dorfes?«
»Meiner Familie gehört ein befestigter Hof,
und das
gesamte Dorf mit Schmiede und Schenke dazu.«
»Wie befestigt ist der Hof?«
»Wir könnten ihn gut gegen hundert und mehr
Angreifer verteidigen.«
Lothar fuhr sich mit der flachen Hand über
das
bärtige Kinn und beobachtete die markanten Gesichtszüge des Mannes, der
im
selben Alter zu sein schien wie er selbst. Und an dem ihm vor allem das
lange
Haar und die gepflegten schwarzen Lederkleider imponierten. Auch der
Waffenrock
mit dem feinen Kettenschutz zeugte von Wohlstand. Das Geschäft mit den
Robbenfällen musste also gut laufen, dachte er.
»Joachim hat Euch den Namen genannt?«
»Ja...«
»Und...?« Lothar sah etwas missmutig auf
Conradus
und dann wieder auf den Fremden. »Habt Ihr diesen Namen schon einmal
gehört?«
»Kann sein...«
»Vielleicht habt Ihr den Mann auch schon
einmal
gesehen.«
»Kann sein ... «
»Kann aber auch nicht sein...«, fügte
Conradus an.
»Was glaubt Ihr denn, wie viel Volk und
Händler den
kleinen Hafen passieren?«
Der Ritter und Conradus zuckten mit den
Schultern.
»Der gesamte Handel mit den Elbslawen läuft
über
Ostenmoor, und auch die Thüringer holen den Hering von unseren
Fischern.«
»Ihr wollt sagen, dass dieser Mann ein
Händler sei.«
»Ich sage nur, dass Ihr ihn dort treffen
könntet ...
mit etwas Glück.«
Lothar sah sich um und wollte zwei Mann
bestimmen,
die ihn und Conradus begleiten sollten.
»Ich nehme nur Euch mit, Lothar von
Quedlinburg.
Euch und Euren Schwertträger.«
»Aber er sagte etwas von vier Mann«,
protestierte
Lothar und zeigte auf Joachim.
»Richtig, er sagte vier, aber ich sage zwei.«
Lothar und Conradus sahen sich an, aber noch
bevor
sie zu einer Antwort fanden, fügte Assgar hinzu: »Ihr kommt hier nicht
weit
ohne fremde Hilfe. Und ohne Pferde schon gar nicht.«
»Ihr meint also, wir sollten uns Euch
anvertrauen?«,
fragte Lothar etwas herausfordernd und wippte dabei auf den
Stiefelspitzen.
Eine Geste, die der erfahrene Friese sofort als Verlegenheit seines
Gegenübers
deutete.
»Ihr habt Euch Joachim anvertraut. Und ich
bin der
Einzige, der euch in diesen Tagen dorthin bringen kann, um diesen Mann
zu
treffen. Der Kutter legt in der Morgendämmerung ab, entscheidet Euch
also
rechtzeitig.«
Der Friese tauschte noch einen flüchtigen
Blick mit
Joachim und verließ umgehend die Pfarrstube.
»Er nimmt sich wohl ziemlich wichtig«,
spottete
Lothar, nachdem die Tür ins Schloss fiel.
»Seine Familie hat großen Einfluss hier.« Und
als
Lothar die Stirn runzelte, fügte Joachim hinzu: »Ihre Ahnen sind von
edelster
Abstammung. Sie sollen als Heilträger die Stämme des Nordens gegen die
Franken
geführt haben.«
»Sagt man sich?«
»Die Menschen hier glauben daran.«
»Und Ihr?«
»Ich bin ein Diener des Herrn, mein Glaube
gilt
allein ihm.«
»Stell dich nicht so an, Joachim!« Lothar
ließ nun
die Etikette gänzlich fallen. »Du bist in dieser Gegend ebenso
verwurzelt wie
sie, daher wirst du doch wohl eine eigene Meinung zu den Dingen haben.«
»Hab ich.«
»Und...?«
Joachim kratze sich verlegen am rasierten
Kinn. »Es
wird schon so sein.«
Lothar und Conradus sahen sich an und
schüttelten
dann beide mit dem Kopf. Sie unterließen es jedoch, die Sache weiter zu
hinterfragen und verabredeten ein Wecken für den frühen Morgen, da sie
alle an
der Bestattung des toten Soldaten teilhaben wollten. Aber bevor sich
Lothar mit
seinen Männern in die Wolldecken hüllte, die der Pfarrer ihnen gegeben
hatte,
übergab er ihm die letzten Münzen.
»Damit die Männer des Herzogs in meiner
Abwesenheit
nicht Hungers leiden müssen.«
»Aber meine Speisekammer würde ich den
Soldaten
Heinrichs doch nicht verschließen«, sagte Joachim etwas verlegen.
»Davon gehe ich aus, aber vielleicht bin ich
länger
fort. Und vielleicht sind die Fischer doch nicht so freizügig, wie der
Pfarrer.«
Joachim reckte seinen langen Hals aus der
Kutte und
ließ, wegen des ritterlichen Lobes, ein leichtes Grinsen übers ganze
Gesicht
huschen,.
»Ich hoffe nicht, das war Euer letztes Geld?«
»Doch... das war es. Aber wir packen uns in
der Früh
einen Proviantsack, und füllen einen Schlauch mit Wasser und einen mit
deinem
Messwein ab. Und wenn dieser Assgar von so edler Abstammung ist, wie
Ihr
sagtet, dann wird er einen Ritter des Herzogs ja wohl nicht verhungern
lassen.«
»Das wird er sicherlich nicht, Herr.«
Auch
der nächste Tag begann mit Nieselregen.
Und
nachdem Pfarrer Joachim die letzten Worte beendet hatte und das Amen
gesprochen
war, eilten Lothar und Conradus zum Hafenpier. Jeder von ihnen trug
einen
Leinensack mit Brot und Käse bei sich. Und wie sie so in der frühen
Dämmerung
über die Pfützen hüpften, bemerkte Lothar plötzlich wie schnell er den
Tod des
jungen Soldaten aus dem Gedächtnis gestrichen hatte. Eben standen sie
noch an
seinem Grabe...
Aber der Tag würde ihnen einen anderen Sinn
geben,
und wenn sie diesen Mann dort wirklich antrafen, konnten sie diese
Gegend auch
bald wieder verlassen. Darauf freute sich Lothar am meisten.
Derweil ließ ihn aber der Nieselregen die
schulterlangen Haare am Kopf kleben. Und die Gerüche von gekochtem Teer
und von
Fischtran drangen ihm in die Nase und steigerten sein Unbehagen. Mit
den
Stiefeln wateten sie knöcheltief im Schlamm bis sie die befestigte Pier
betraten. Hier erblickte Lothar dann zahlreiche kleine Fischerboote,
auf denen
zahlreiche weißgraue Vögel saßen und bei seinem Erscheinen in ein
eigentümliches
Geschrei ausbrachen.
Mit etwas Wut im Bauch stieß der Ritter seine
Lanzenspitze nach einem dieser Geschöpfe, aber der plumpe Vogel erhob
sich
rechtzeitig in die nasse Luft und kreischte. Weil ihm dieses Schauspiel
aber
Spaß bereitete, versuchte er einen zweiten Vogel zu spießen. Auch das
gelang
ihm nicht, und Conradus musste seinen Herrn sogar im letzten Augenblick
am
Waffengurt packen, sonst wäre der von der Pier in das modrige Wasser
gerutscht.
»Die Biester taugen nicht zum Verzehr.«
Lothar sah abrupt den Steg entlang und
erkannte
Assgar.
»Habt Ihr Euch also doch entschieden, mit mir
zu
reisen.«
»So ist es«, entgegnete der Ritter nur.
Dann standen sich die Männer gegenüber und
Lothars
Augen sahen zu seiner Befriedigung, dass das Schiff, vor dem Assgar
stand,
erheblich größer war, und es war wohl auch kein Fischerboot, sondern
ein
Frachtkutter. Der
Friese grinste über das ganze Gesicht.
»Was erheitert Euch so?«
Assgar zeigte auf die Waffen des Ritters, und
dann
zog er Conradus an den Maschen des Kettenhemdes.
»Wenn Ihr so ins Wasser fallen solltet, kann
niemand
mehr etwas für Euch tun. Ihr versinkt wie Blei.«
Da erst bemerkte Lothar, dass sein Gegenüber
diesmal
keinerlei Waffen am Körper trug,. Der Friese schnipste mit den Fingern und
sofort
stellten zwei der Bootsleute eine lederbeschlagene Holztruhe auf die
Pier.
»Hier könnt Ihr die Waffen hineintun, ebenso
die
Kettenhemden und Dolche. Die Schilde und Lanzen übergebt den
Bootsleuten!«
Nach einem plötzlichen Sprung stand
Assgar wieder an
Deck.
»Ich werde die Holzkohle zum Glühen
bringen, sonst
erfriert ihr mir noch, bevor wir überhaupt auf dem Meer sind.«
Lothar und
Conradus wurden durch die ungewöhnliche
Situation so überrauscht, dass sie bereitwillig die Waffen in die Truhe
legten,
und ebenso die schweren Kettenhemden auszogen. Mit grinsenden Blicken
wurden
sie dabei von den Bootsleuten beobachtet, die ihnen aber sofort die
Hand
reichten, um den Gästen den Aufstieg zum Schiff zu erleichtern.
»Über eines müsst ihr beide
euch jetzt im Klaren
sein«, rief Assgar, der unter einer Persenning hockte und die Holzkohle
entzündet hatte, nun aber heraustrat und sich vor dem Ritter aufbaute.
»An Bord eines Schiffes verliert sich jede Etikette.
Hier gibt es keine Edelmänner, sondern nur Gleichgesinnte, die ihr
Leben den
Geistern der Untiefen anvertrauen.«
»Ich vertraue mein Leben dem Heil Jesu«, entgegnete
Lothar abrupt.
»Das genügt hier nicht«, konterte der Friese mit
einem Lächeln. »Er dort ist der Schiffsführer. Sein Name ist Etelmann.«
Assgar
wandte sich um und sah nun auch zu den anderen Bootsleuten. »Und diese
beiden
hier sind Lothar und Conradus«, sagte er zu ihnen. »Sie sind im
Auftrage
unseres Herzogs Heinrich hier.«
Die Männer nickten leicht mit den Köpfen und erhoben
die Hände ein wenig zum Gruß. Auch Lothar und Conradus erwiderten
diesen. Dann
schob sie Assgar unter die Persenning, sodass sie den Männer beim
Ablegen
nicht im Wege standen. Etelmann hatte sich ans Ruder gestellt und
beobachtete,
wie seine Bootsleute die losgeworfenen Festmacherleinen an Bord zogen.
Dann
ergriffen zwei von ihnen die langen Bootshaken und stießen den
Schiffskörper
von der Pier ab. Die Strömung war zu schwach, um den Kutter in Fahrt zu
bringen, daher legten die Bootsleute die Riemen aus und brachten ihr
Schiff
durch gleichmäßige Rudermanöver in die Mitte des Stromes.
Lothar war froh, vor dem Nieselregen geschützt zu
sein, und als ihn Assgar einen Krug mit heißem Kräutersud gab, sog er
sofort
den Dampf durch die Nase. Erst jetzt erfassten seine Augen die
Einzelheiten des
Schiffes. Es war ein breiter Kutter mit einem hohen Steven vorn und
achtern. Am
Achtersteven stand Etelmann und legte das Ruder. Auch sein Stand war
durch eine
Lederpersenning geschützt. In Kopfhöhe des einzigen Mastes hing eine
Rahstange,
die sie wohl erst auf See aufziehen würden. Die Bootsleute stemmten
sich
derweil in die Riemen, um das Schiff dem Meer näher zu bringen.
Zwischen dem Unterstand, wo sie vor der Kochstelle
auf einer großen Kiste saßen und der sie vor Wind und Regen
einigermaßen
schützte, und dem Vorschiff entdeckte Lothar eine sorgfältig abgedeckte
Last.
»Was befördert ihr hier?«
»Das musst du schon ihn fragen«, sagte Assgar und
nickte mit dem Kopf zu Etelmann.
»Aber ich dachte, dass du der Herr über dieses
Schiff bist.«
Assgars Lippen verzogen sich langsam zu einem
spitzbübischen Grinsen.
»Ich bin ebenso Gast wie ihr. Und ich habe für die
Überfahrt nach Ostenmoor bezahlt.«
»Und wer hat...?«
Aber noch bevor Lothar die Frage formuliert hatte,
kam Conradus darauf: »Du hast für uns bezahlt?«
Assgar nickte.
»Aber warum?«
»Ihr sucht einen Mann, und ich würde gern sehen, was
ihr von ihm wollt.«
»Du kennst ihn also doch?«
»Schon möglich.«
In diesem Augenblick machte der Kutter einen Satz,
und die Gischt stob über den Vordersteven hinweg. Und ohne große Worte
zu
verlieren, holten die Männer die Riemen ein, und brachten das Segel vor
den
Wind. Etelmann legte jetzt das Ruder nach Steuerbord, sodass sie auf
östlichen
Kurs gingen. Die Besatzung war eingespielt und kannte den Seeweg nach
Ostenmoor
von unzähligen Überfahrten her. Dann zogen auch sie sich unter die
schützende
Persenning am Vordersteven zurück, nachdem sie noch mehrere offene
Leinen und
Buchten außenbords gelegt hatten.
»Sollte einer von euch über Bord gehen, muss er
versuchen, eine von den Leinen zu erwischen, dann können wir ihn wieder
raufholen, wenn nicht... ist es aus mit dem Leben.«
Die beiden nickten.
»Ich rühre mich hier nicht weg, bis wir wieder im
Hafen sind«, sagte Lothar, dem das langsame Rollen des Kutters schon
leidlich
auf den Magen schlug.
»Wir werden aber erst am späten Tage Ostenmoor
erreichen.«
»Wenn überhaupt...«, mischte sich Etelmann ein und
verfiel auch gleich in sein höhnisches Gelächter, das er gern über
Seeunerfahrene ausschüttete.
»Lass sie in Ruhe!«
»Hab dich nicht so... lass uns lieber den toten
Seelen opfern.«
Assgar wusste sofort, was der alte Schiffer meinte,
und er hielt es selbst für eine gute Idee. Langsam stand er
auf und öffnete die Kiste auf der
er saß, um einen Schlauch herauszuholen. Und sich mit einer Hand immer
am
Handläufer festhaltend, ging er die wenigen Schritte achteraus zu
Etelmann.
Dort zog er mit den Zähnen den Korken aus der Schlauchöffnung und goss
zunächst
einen kräftigen Schluck Met außenbords.
»Für die toten Seelen der ertrunkenen Seeleute«,
brüllte Etelmann gegen den Wind und lechzte sich sofort die Lippen,
denn der
nächste Schluck würde immer dem Schiffsführer gehören. Assgar wusste es
und
verfuhr ebenso. Dann schluckte auch er an dem Schlauch, bevor er
zurückwankte
und Lothar und Conradus teilhaben ließ.
Der süße Wein tat den beiden gut, und augenblicklich
erhob sich Lothar und spähte auf das Meer, das nun von achtern gegen
den Kutter
rollte.
»Hätte nie gedacht, dass ich einmal mein Pferd gegen
ein Schiff tauschen würde.«
Die Luft war salzig und der Wind noch nicht so kalt.
Der Sommer war vorbei, aber mit dem Winter hatte das Meer noch keine
Eile. Nun
sah er auch die grauweißen plumpen Vögel, die den Kutter in gebührendem
Abstand
folgten.
»Und die schmecken wirklich nicht?«, sagte er und
zeigte achteraus.
»Die taugen nur als Hundefutter«, rief Etelmann.
»Glaubt ihm. Haltet euch lieber an die Kost, die
euch Joachim mitgab.«
»Was ist das dort?«
Lothar wurde jetzt mutiger und trat unter der
Persenning hervor, mit dem Arm zum nahen Ufer zeigend. Und mit leicht
angewinkelten Beinen hielt er sich aufrecht gegen das Stampfen des
Schiffes.
Assgars Augen folgten seinem Wink.
»Du meinst den Wachturm, der über die Baumgipfel
ragt?«
Lothar nickte, und jetzt erhob sich auch Conradus.
»Dort sitzen die Wächter von Tenning. Die Dänen
kommen auf ihrer Heimfahrt von den Raubzügen gern hier vorbei, um sich
an
unserer Küste auszutoben«, antwortete der Friese mit einer Portion
Ironie, die
dem Ritter nicht entging.
»Dann solltet ihr wohl gute Waffen haben, um mit
ihnen tanzen zu können.«
Assgar gefielen die Worte. »Komm, ich zeig dir was.«
Und die Männer zogen sich wieder auf die Kisten
zurück, wo sie die ganze Zeit zuvor saßen. Dann hob Assgar ein schweres
Lederbündel auf seinen Schoß, und begann die Stricke zu lösen. Zum
Vorschein
kam zunächst ein geöltes Leinentuch, das der Friese mit größter
Sorgfalt
auseinander faltete, und Lothar verschlug es zunächst die Sprache.
Er war schon in vielen Waffenkammern, hatte
die prächtigsten Schwerter der fränkischen und sächsischen Ritter
gesehen. Aber
niemals etwas wie das hier.
Zwei riesige Schwerter bot der Friese den
neugierigen Blicken feil. Und mit der Zärtlichkeit einer Mutter, die
ihrem
säugenden Kind über den Kopf streicht, fuhren jetzt seine Finger über
die
endlos langen Klingen.
»Man muss schon über reichlich Kraft verfügen, um
diese Schwerter im Kampf zu führen«, sagte Lothar verdutzt.
»Eben... darum ist eines für mich und das andere für
meinen Bruder.«
»Dann wird dein Bruder wohl deiner Gestalt
gleichen.«
»Nicht ganz, denn ich bin Friese, aber er ist
Nordalbinger.«
»Wie soll ich das verstehen?«
»Du wirst ihn selbst fragen können, wenn wir in
Ostenmoor sind.«
Assgar wickelte die Waffen wieder in das Öltuch und
verschloss das Lederbündel gründlich. Dann sah er in die immer noch
verdutzen
Gesichter von Lothar und Conradus.
»Hast du die Waffen in der Schmiede von Tenning
schmieden lassen?«
»Nein, die sind aus der Schmiede meiner Familie.
Aber der Schmied in Tenning ist ein alter Waffenmeister des
Dänenkönigs, und
niemand verleiht einem Schwert diese tödliche Schärfe wie er.«
»Warum holt ihr ihn dann nicht nach Ostenmoor?«
»Er will nicht mehr. Seine letzten Tage sind gelebt
und er wird alsbald erblinden. Vielleicht war das hier sein letzter
Dienst an
einer Waffe.«
»Dann sollten wir wohl auf sein Seelenheil trinken«, sagte Lothar.
»Und auch auf den künftigen Schwertschlag deiner
neuen Waffe«, mischte sich Conradus ein. Lothar fummelte derweil im
Proviantsack und holte eine pralle Schweinsblase heraus.
»Du hegst doch keine Abneigung gegen den Messwein.«
»Auf gar keinen Fall«, rief Etelmann vom Ruder her.
Assgar nickte zum Schiffsführer.
»Es ist so Brauch, denn unser Leben liegt in seinen
Händen.«
Also erhob sich der Ritter und goss ebenso den
ersten Schluck außenbords für die Seelen der toten Seeleute, und
überreichte
Etelmann dann den Wein.
Mittlerweile hatte der Regen ganz aufgehört und
wegen des stetigen Westwindes machte der Kutter gute Fahrt. Das
gleichmäßige
Stampfen des Schiffes empfand Lothar nun nach den Schlucken Wein ganz
angenehm,
und er döste vor sich hin, weil Assgar und auch Conradus eingeschlafen
waren.
Zumindest hatte es für ihn den Anschein, denn sie lehnten an den
seitlichen
Holzlatten des Unterstandes und hatten die Augen geschlossen.
Hin und wieder hörte er auf die Melodie, die Etelmann
durch seine Zahnlücke pfiff, hauptsächlich sah er aber auf die
Bootsleute im
Vorschiff. Die spielten irgendein Würfelspiel und gerieten dabei
häufiger in
Streit. Offenbar spielen sie um Einsätze, dachte er. Das leise
Schnarchen von
Conradus zeigte ihm dann an, dass sein Gefährte tatsächlich
eingeschlafen war.
Nun lehnte auch er sich zurück, weil die Nacht wegen
der Totenmesse für den ermordeten Soldaten zu kurz war, und er
versuchte, etwas
Schlaf nachholen. Das stetige Stampfen des Kutters, das Rauschen der
Wellen,
das leise Pfeifen von Etelmann, alles das lullte auch ihn langsam ein.
Und die
Stimme des Schiffsführers war dann auch das Erste, das wieder in sein
Bewusstsein drang.
»Gebt endlich das Zeichen, sonst glauben sie noch
wir sind Fremde«, rief der von achtern über das ganze Deck.
Als Lothar die Augen öffnete, sah er Assgar und
Conradus bereits an den Steuerbordspanten stehen. Langsam erhob er sich
und
gesellte sich zu ihnen.
»Es ist ja immer noch nicht richtig hell.«
»Es wird schon wieder dunkel. Du hast den halben Tag
verschlafen.«
Lothar rieb sich die Augen und starrte auf den
Reiter, der unweit am Ufer stand. Dann hörte er das tiefe laute Dröhnen
der
Hörner, die Etelmanns Leute anbliesen.
Assgar hob den Arm und winkte. Der Reiter erwiderte
den Gruß und ließ sein Pferd auf der Stelle tanzen. Lothar war von
dessen
Anblick fasziniert, ähnlich so, als er den Friesen Assgar zum ersten
Mal sah.
Der Reiter trug das Haar ebenso lang wie der Friese, allerdings war
dessen
Farbe hellblond. Das schwarze Pferd hatte eine ebenso lange Mähne wie
der
Reiter, und an den Gurten der schwarzen
Schabracke sah Lothar zwei Lanzen und ein großes Beil. Den Schild trug
der
Reiter über den Rücken geschnallt, sodass der ihn von Kopf bis Hüfte
schützte.
Über die dunklen Lederkleider trug auch dieser Krieger den eigenartigen
Waffenrock mit Dolch und Kurzschwert, den Lothar schon an Assgar
gesehen
hatte.
»Hast du die Waffen dabeeeiii?«
Assgar hielt seine Hände an den Mund, um einen
Trichter zu formen, der seine Antwort hinüberleiten sollte, denn der
Wind blies
ihnen jetzt entgegen. Die Bootsleute hatten derweil das Segel
niedergeholt und
setzten die Riemen aus.
»JAA... Du wirst nie wieder ein besseres Schwert in
den Händen halten.«
»Dann beeil dich, die Drollinge haben das Räubernest
ausgespäht!« Bei den Worten ließ der Reiter sein Pferd aufsteigen, und
galoppierte dem Schiff am Ufer voraus.
»Wer ist dieser Mann?«, fragte Lothar.
»Das ist mein Bruder... er ist TANGAHAR.«
Lothar war fassungslos, der Friese hatte ihn die
ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Jetzt erst sah er auch, dass
Assgar seine
Waffen wieder trug, und mit einem verstohlenen Blick schaute er nach
der Kiste,
in der sein und Conradus Schwert verborgen waren...
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